dpa, 17.11.2014

Bild Zeitungsartikel Joshua Carson

Der Gitarrist fürs Wohnzimmer

Wohnzimmerkonzerte sind in. Übers Internet kommen Musiker mit privaten Gastgebern in Kontakt. Manche Musiker leben schon davon, in anderer Leute Wohnungen zu musizieren. Zum Beispiel am heutigen „Tag der Hausmusik“. Von Alice Echtermann

Kleine Konzerte, kostenlos, in privatem Rahmen und am selben Tag. Der heutige „Tag der Hausmusik“ ist einer dieser Tage, die kaum jemand kennt. Dabei gibt es ihn schon seit mehr als 80 Jahren, wie Ulrike Eberle von Musikland Niedersachsen betont. Gemeinsam mit ihren Kollegen hat sie 2014 erstmals eine Plattform geschaffen, auf der Gastgeber und Musiker zusammenfinden können.

Wie es aussieht, werden das eine ganze Menge. Wohnzimmerkonzerte werden seit einigen Jahren in Deutschland immer beliebter und haben troztdem noch das Flair eines Geheimtipps. „Der Trend geht stark einher mit Plattformen wie Couchsurfing oder Airbnb, wo man in einer anderen Stadt, in der man niemenden kennt, mit einer Community von Gleichgesinnten zusammengeführt wird“, sagt Eberle. „Da war es nur eine Frage der Zeit, bis erste Portale aufkamen, wo vielleicht durchreisende Musiker, die noch einen Termin frei haben, sich mit interessierten Gastgebern zusammentun können.“ Beispiele dafür seien Wohnzimmerkonzerte.de und SofaConcerts.org.

Die Idee intimer Konzerte trifft scheinbar einen Nerv. Das hat auch Joshua Carson bemerkt. Der 44-jährige Schleswig-Holsteiner macht seit mehr als zwei Jahren nichts anderes. Er gab seine Wohnung auf und reist seitdem mit einem Wohnmobil durch Deutschland von Haustür zu Haustür, wo ihn immer neue Gastgeber in ihre Wohnzimmer bitten. Geplant hatte er das nicht.

Ansturm von Anfragen

„Das Ganze hat sich eigentlich verselbstständigt“, sagt Carson. „Ich habe vor zweieinhalb Jahren ein neues Programm entwickelt und wollte es vor Tourstart erproben. Da habe ich fünf Wohnzimmerkonzert im Internet verlost.“ Mit dem Ansturm von Anfragen, die er daraufhin erhielt, habe er nie gerechnet.

Carson lebt von seinen Wohnzimmerkonzerten. Da er allein sei, komme erfinanziell gut klar, sagt er, Seine Konzerte seien stets kostenlos, er spiele ohne Gage und nehme auch kein Anfahrtsgeld. Nur die GEMA-Gebühren von etwa 22 Euro müsse der Gastgeber zahlen. Er finanziere sich über den Verkauf von CDs. „Die Konzerte sind ein bisschen wie eine musikalische Tupperparty.“ Meist würden sich Zuschauer bei ihm für ein nächstes „Woziko“ bewerben.

Während Carson schon Vollprofi ist, gibt Monika Tibbe heute das erste Wohnzimmerkonzert ihres Lebens. Sie stellt ihre Wohnung in Hannover als Gastgeberin zur Verfügung und wird neben anderen Gruppen auch selbst auftreten. Ungefähr 40 Gäste passen in den Raum. Das werden vor allem Freunde sein.


Tag der Hausmusik, Wohnzimmerkonzerte (dpa)

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